Buße – was ist das denn?

»Vater, ich habe gesündigt.« Lukas 15, 21

Das ist der schwerste Satz, den ein Mensch über die Lippen bringen kann.

Im Anfang des vorigen Jahrhunderts lebte in Stuttgart der gesegnete Pfarrer Dann. Der traf einst ein Gemeindeglied, einen Schneidermeister, und fragte ihn: »Warum kommen Sie gar nie zum Abendmahl?« Der erwiderte: »Ja, sehen Sie, Herr Stadtpfarrer, ich komme nicht gern, weil man bei der Beichte sagen muss: Ich armer Sünder.« Da erhielt er die Antwort: »Dann müsst Ihr eben sagen: Ich hochmütiger Schneider.«

Wie gut verstehen wir den Schneidermeister! Ich glaube, das ist das allergrößte und allerschwerste Stück Arbeit für den Heiligen Geist, bis ein Mensch der Wahrheit die Ehre gibt und seinem Gott sagt: »Ich habe gesündigt.«

Ihr müsst darauf achten, dass der verlorene Sohn nicht sagt: »Ich habe Fehler gemacht. Es tut mir Leid.« Zu solchem Geständnis wären wir zur Not bereit. Nein, es geht um das harte, verhasste Wort »Sünde«. »Ich habe gesündigt.« Der verlorene Sohn sagt auch nicht: »Ich habe wohl geirrt. Aber die Menschen und Umstände waren schuld daran.« Solche Sündenbekenntnisse sind wertlos.

BußeEr sagt auch nicht: »Wir sind eben alle Sünder.« Nein, er redet jetzt von sich. »Ich habe gesündigt.« Auf das »Ich« kommt’s an. – Zu einer alten Frau kam ein Pfarrer und las ihr aus dem Römerbrief vor. Da kam die Stelle: »Wir sind allzumal Sünder.« Da nickte die Frau. Der Pfarrer schaute auf und fragte: »Ist das wahr?« »Ja, das ist wahr.« »Dann bekennen Sie doch Ihre Sünde.« Da fuhr die Frau auf: »Wer hat Ihnen was von mir erzählt? Ich bin doch eine ehrbare Frau. Ich habe doch nichts Schlechtes getan!« – So ist’s. Wir lassen es gelten, wenn es heißt: »Wir sind eben alle Sünder.« Aber der verlorene Sohn sagt: »Ich habe gesündigt.« Und auf das »Ich« kommt’s an.

 

Wir finden keine Ruhe, ehe dies Wörtlein gesagt ist. David sagt im 32. Psalm:

»Denn als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine ... Denn Deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir ... Darum bekannte ich Dir meine Sünde.«

Selig, wer sein Gewissen entlastet.

Ich muss hier noch etwas sagen. »Ich habe gesündigt.« Das ist der Abschied von der Sünde. – Ich sprach einmal mit einem hohen Beamten über geistliche Dinge. Da sagte er: »Ach ja, heute gehe ich manchmal zur Kirche, man braucht so einen Trost.« Und dann sagte er: »Wissen Sie, ich habe eine sonnige Jugend gehabt.« Und dabei zwinkerte er und machte ein so gemeines Gesicht, dass ich verstand, wie er es meinte. Seht, der hatte sich zwar ein wenig geändert. Aber er hatte noch Wohlgefallen an der Sünde. Das ist keine Buße.

Beim verlorenen Sohn war’s anders. »Ich habe gesündigt.« Das war Erschrecken. Das war Jammer. Das war Abscheu. Das war Abschied von der Sünde. Weiterlesen...

 

Pfarrer Wilhelm Busch (1897-1966) in "Jesus unsere Chance".
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