Annemarie – von der Finsternis zum Licht
Durch die Scheidung meiner Eltern hatte ich mich zeitlebens nach einem Vater gesehnt. Als Mädchen litt ich zudem unter Übergewicht. Mit zehn Jahren war ich bereits innerlich tief zerrissen.
Es wird immer dunkler
Geboren und aufgewachsen bin ich in Siebenbürgen, Rumänien. Als Kind wurde ich zwar getauft und konfirmiert, aber nicht im Glauben erzogen. Schon früh lernte ich, meinen Kummer niemandem mit zu teilen – doch immer wieder suchte ich Zuflucht im stillen Gebet und heimlichen Bibellesen. So baute ich schon als Kind eine Mauer um mich herum auf, hinter der ich traurig dahin lebte.
Mit 19 Jahren kam dann der „große Ausbruch“: die Ausreise nach Deutschland. Das völlig neue Leben in einem fremden Land war mir sehr willkommen. In meinem Herzen jedoch fand ich kein Zuhause. Mit 23 Jahren heiratete ich und bald darauf kam unsere Tochter zur Welt. Ich musste dennoch nicht auf materielle Annehmlichkeiten verzichten. Das war mir wichtig, denn für mich zählten damals nur Äußerlichkeiten. Man verglich sich mit seinem Nächsten, anstatt ihm mit Verständnis und Liebe zu begegnen. Meine Fehler anderen gegenüber gab ich nie zu. Aber ich spürte sie, und sie belasteten mich zunehmend. Oft verletzte ich liebe Menschen, enttäuschte und verachtete sie in meinem Herzen, bis nach und nach beinahe alle Kontakte abgebrochen waren. Die ganze Welt fand ich irgendwann ungerecht und verlogen – und ich war nicht anders. Immer mehr fühlte ich mich einerseits schuldig und andererseits hilflos.
Völlig zurückgezogen widmete ich mich ausschließlich meiner Familie bis zur Selbstaufopferung. Ich bemühte mich nur noch um ein perfektes Außenbild. Innerlich war ich zutiefst unzufrieden. Ich machte anderen Vorwürfe, war aber in Wirklichkeit über mich selbst verzweifelt. Ich war zutiefst unerfüllt und überforderte nicht nur mich damit. Fünf Jahre litt ich heimlich unter Bulimie – eine Zeit, in der ich lernte mich selbst zu hassen. Dabei war ich völlig unfähig, Liebe zu geben oder zu empfangen. Einen Sinn konnte ich in meinem Leben überhaupt nicht erkennen, fühlte mich auch des Lebens unwürdig. Diese Verzweiflung führte zu starken psychosomatischen Beschwerden. Sogar meine Ehe und Arbeitsstelle waren gefährdet. Immer mehr erdrückte mich eine namenlose und quälende Einsamkeit. Längst depressiv geworden, schleppte ich mich mühsam durch jeden neuen Tag und hielt mit allerletzter Kraft an meiner Lebenslüge fest. Am Nullpunkt angelangt, hatte ich über Wochen nur noch einen Gedanken: „Entweder es geschieht ein Wunder, oder ich gehe endgültig drauf!“ …Und ich lebe noch!
Ein Licht scheint in der Finsternis
Dann kam der 24. Dezember 2004. Heiligabend. Meine jüngste Schwester rief an. Sie war noch ein Kind, als wir uns das letzte Mal gesehen hatten! Sie fragte, ob wir – alle vier Geschwister – diesen Abend gemeinsam verbringen möchten. Etwas Besonderes lag in ihrer Stimme, dem ich nicht widerstehen konnte. Ich sagte zu. Das war die beste Entscheidung meines Lebens!
Meine Schwestern erzählten, dass sie inzwischen an Jesus Christus gläubig geworden waren; unser Bruder war auf dem besten Weg dort hin. Die Spur, die der Herr in ihrem Leben bereits hinterlassen hatte, faszinierte mich. Die Hoffnung und die Freude, die sie – im Gegensatz zu mir – hatten, brachten alles bislang mühsam Unterdrückte wieder in mir hoch.
Zum ersten Mal hörte ich von Jesus, der Schuld vergibt und verlorene Menschen errettet, inneren Frieden, ja sogar ein neues Leben schenkt. Es wurde mir klar, dass Gott zu mir in dieser Nacht durch meine Geschwister gesprochen hatte!
Die Wahrheit des Wortes Gottes traf mich mitten ins Herz und führte mich zur Kapitulation. Ich durfte erkennen, dass ich vor Gott schuldig war. Unter Tränen bekannte ich zum ersten Mal, wer ich war und wie es mir wirklich ging. Der Herr erhörte meinen Hilfeschrei und erbarmte sich meiner; Er tat mein Herz auf und schenkte mir den Glauben noch in dieser Nacht. Ich nahm Jesus als meinen persönlichen Retter an.
Jesus ist meines Herzens Leuchte
Dank der Gnade Gottes, die wie ein Wunder über mich kam, konnte ich inneren Frieden erlangen. Ich fühle mich nicht mehr länger einsam und leer – sondern von Gott geliebt und wertgeschätzt. Er nahm mir die schwere Last der Schuldgefühle ab und ließ mich erkennen, dass er selbst für mich einen Platz und eine Aufgabe in dieser Welt hat. Nicht nur mit Gott wurde ich durch Jesus versöhnt, sondern auch mit mir selbst und den Menschen. Deshalb sage ich heute von ganzem Herzen:
„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
Der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen;
Der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit.“
Psalm 103, Verse 2-4