Josef – vom wahren Leben
München 1972: Menschen aus aller Welt zu Besuch in der Olympiastadt. Unter ihnen auch ich: 22 Jahre alt, aus Vorarlberg, gekommen mit einem Koffer voller Träume. Die Metropole hatte mich magnetisch angezogen.
Hungrig nach dem Leben
Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Ort in Österreich. In einer siebenköpfigen Familie habe ich viel Abwechslungsreiches und Schönes erlebt. Eine gute religiöse Einstellung (katholisch) gehörte zu meiner Kindheit. Mit sieben Jahren wollte ich wie meine Brüder als Ministrant in der Heiligen Messe dienen und wurde als Jugendlicher Gruppenleiter. Doch nach dem Militärdienst begann ich, eine ganz andere Richtung in meinem Leben ein zu schlagen.
Ich hatte begonnen, mir ein ausgelassenes, interessantes Leben zu erträumen. Nun wollte ich endlich mein Verlangen nach Vergnügungen, interessanten Menschen und einer Freundin verwirklichen. Dazu war eine Großstadt besser geeignet als unser kleines Dorf, dachte ich mir. So nutzte ich eine neue berufliche Perspektive, um von Zuhause weg zu gehen.
So zog ich 1972 nach München und verdiente nicht nur besser, sondern fand das Vergnügen, von dem ich geträumt hatte. Nach einem Jahr in der Großstadt hatte ich wohl viele neue Erfahrungen gemacht, war aber doch nicht zufrieden. Die Umgebung war zwar aufregend neu, ich selbst jedoch war der alte geblieben. Ich fühlte mich minderwertig. Mit Erfolgsträumen versuchte ich vergeblich, mich über den Lebensfrust hinweg zu täuschen.
Wo der Hunger gestillt wird
In einem Weihnachtsurlaub zuhause in Österreich besuchte mich ein Freund und wir tauschten unsere Erfahrungen aus. Zu meiner Überraschung war er überzeugt davon, dass ich wirkliche Hilfe im Glauben an Jesus Christus finden könnte. Er wies mich auf die Bibel hin und sagte: „Dein Grundproblem ist dein gebrochenes Verhältnis zu Gott. Sünde ist, dass du dein Leben ohne Gott führen willst. Jesus Christus ist in diese Welt gekommen, um auch dir den Weg zurück in die Gemeinschaft mit Gott zu ermöglichen.“
Das hat mich ganz schön getroffen. Mir wurde bewusst: So wie ich bin, kann ich vor Gott nicht bestehen. Doch andererseits hat es mich sehr froh gemacht zu begreifen: Jesus will mir vergeben. Er ist auch für meine Schuld gestorben! Da habe ich mein ganzes Leben dem Herrn Jesus Christus anvertraut.
Die Folge davon waren eine ganz neue Lebenseinstellung und ein anderes Verhältnis zu meinen Mitmenschen. Die Heilige Schrift wurde mir zum wertvollsten Buch und ich fand auch Menschen, mit denen ich mich sofort verbunden fühlte. Der Grund dafür war das gemeinsame Ziel: Jesus Christus ganz praktisch nach zu folgen.
Ein neues Zuhause
Das war im Frühjahr 1972. In der Münchner Fußgängerzone wurde ich von Christen eingeladen. Hauptsächlich junge Menschen trafen sich in Kellerräumen. Es war der Beginn einer freikirchlichen Gemeindearbeit in der Auenstraße. Mit viel Freude habe ich die Gottesdienste erlebt und gehörte zu den Ersten der Gruppe, die in der Isar getauft wurden.
Im Alltag, am Arbeitsplatz, in der Verwandtschaft ist meine Lebenswende nicht immer auf Zustimmung gestoßen. Leider habe ich auch oft selber durch falschen Übereifer dazu beigetragen.
Was mich bis heute prägt ist das Wissen, dass Gott mich angenommen hat, dass er mir vergeben hat. So brauchte ich nicht mehr in Wunschvorstellungen und Träumen zu leben, sondern kann den täglichen Aufgaben mit einer frohen Gewissheit begegnen. Jesus Christus sagte einmal: „Ich bin gekommen, um den Menschen ein sinnerfülltes Leben zu bringen“. Diese Worte darf ich dankbar bestätigen, denn sie sind auf unverdiente Weise zu meiner Erfahrung geworden.